Als Kind empfand man es schon als Zumutung, in den ersten, eisigen Frühlingstagen hinausgeschickt zu werden, um auf den Wiesen »Regrat« zu stechen, wie die aus Slowenien gebürtige Mutter den Löwenzahn nannte. Denn Löwenzahn sammeln, das ist nicht wie Blumen pflücken: Man muss sich schon tief hinunterbeugen und die in Rosettenanordnung wachsenden Blätter am Ansatz abschneiden, damit sich irgendwann, nach mühsam und kreuz und quer in Hockhaltung zurückgelegten Sammelgängen über die Wiese, die Schüssel fülle mit den wild gezahnten Blättern.
Aber wenn er dann am Tisch stand, nach gründlichen Waschgängen, der Regrat-, Röhrl-, Rerl-oder einfach Löwenzahnsalat: Dann war die Mühe vergessen und die Freude groß. Angemacht mit Apfelessig, bissl Zwiebel und Kernöl, vermengt mit frisch geschälten, noch heißen Erdäpfeln, garniert mit wachsweichen Eiern und übergossen mit herausgebratenen Speckwürfeln samt ihrem…
