Manchmal denke ich, es wäre gut, sich nicht bloß über Erzählungen und Bilder zu erinnern, sondern über Berührungen“, überlegt die Ich-Erzählerin in Olivia Wenzels Debütroman „1000 Serpentinen Angst“. Doch sie kann nur erzählen, indem sie sich Bild für Bild, Erinnerung für Erinnerung entlanghangelt. Ihre Kindheit in der DDR, ihr Leben in Berlin, eine Reise in die USA, nach Vietnam, ihre zerbrochene Beziehung, ihre Freundschaften, ihre Mutter, ihr Vater, ihr Zwillingsbruder. Das alles macht sie durch Sprache greifbar. Es ist wie eine Berührung durch die Sprache, durch das Schaffen von Bildern, eine Einladung, ihre Wirklichkeit zu teilen. Und zugleich geht es auch um die Rekonstruktion fremder Bilder und das Nachdenken über Zuschreibungen, die die Erzählerin ihr Leben lang verfolgen, begrenzen und verletzen.
„Das beruhigende Streicheln meiner Armbeuge, mit dem meine Großmutter…
